- (Bild: Rendsburg Tourismus und Marketing)
Janet Sönnichsen ist seit Anfang 2021 Bürgermeisterin Rendsburgs und damit oberste Verwaltungschefin im Rathaus – ein Amt voller Verantwortung, aber auch voller Gestaltungsmöglichkeiten. Wir trafen sie zum Gespräch.
RENDSBURGerleben: Sehr geehrte Frau Sönnichsen, danke, dass Sie sich für uns Zeit nehmen, denn davon haben Sie bei all Ihren fordernden Aufgaben sicher nicht viel übrig. Was ist das Schönste an Ihrem Amt?
Janet Sönnichsen: Ich mag die Vielfalt der Aufgaben. Von der Kita über die Schule geht es zu großen Bauvorhaben und Entscheidungen, die die Stadt noch in vielen Jahren prägen werden. Ich mag es, die eigene Heimatstadt, also unser unmittelbares Umfeld, voranzubringen.
Gut die Hälfte Ihrer Amtszeit ist vorbei. Was haben Sie erreicht, worauf sind Sie besonders stolz?
Obwohl auch mir vieles nicht schnell genug vorangeht, weiß ich, dass wir bei einigen Großprojekten Meilensteine hinter uns gelassen haben. Besonders stolz bin ich aber auf den Politikwechsel, auf die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Kommunalpolitik und Verwaltung. Immobilien am Altstädter Markt als Stadt aufzukaufen, um die Entwicklung dort mitgestalten zu können, hat zum Beispiel damit zu tun und wurde auch dadurch überhaupt ermöglicht, dass die Zusammenarbeit konstruktiv und nach vorn gerichtet ist.
Was war 2025 die größte Herausforderung für Rendsburg?
Die schwierige Haushaltssituation hat sich in allen Kommunen im Laufe des letzten Jahres abgezeichnet. Es ist uns gelungen, trotzdem einen Haushalt aufzustellen, der wichtige Projekte, vor allem auch im sozialen Bereich, weiterhin ermöglicht. Und wir werden weiter den Investitionsstau, der sich über viele Jahre aufgebaut hat, angehen.
Dann blicken wir mal voraus: Was wird unsere Stadt 2026 besonders beschäftigen?
Wohnungsbau und Innenstadt sind die zentralen Themen, die uns 2026 und darüber hinaus beschäftigen werden. Die Entwicklung am Altstädter Markt liegt mir ganz besonders am Herzen.
Gibt es etwas, auf das sich die Bürger*innen besonders freuen dürfen?
Ja, Ende August feiern wir den 50. Rendsburger Herbst – unser Stadtfest für Rendsburg.
Sie sind sehr präsent in der Stadt, bei Veranstaltungen dabei, man trifft Sie beim Einkaufen: Wie gelingt es Ihnen, Bürgernähe und Verwaltungsaufgaben zu verbinden?
Die Termindichte ist hoch – in der Stadt passiert halt viel. Gleichzeitig wachsen die Verwaltungsaufgaben. Mir ist es besonders wichtig, mit den Menschen in der Stadt im Gespräch zu sein, um gute Entscheidungen treffen zu können.
Kein öffentliches Amt ohne Gegenwind: Welche Kritik aus Bürgerkreisen nehmen Sie gern an, was weisen Sie zurück?
Kritik nehme ich gern an, wenn sie konstruktiv ist, denn die bringt uns weiter. Globales oder pauschales Meckern hilft uns nicht. Wer Rendsburg immer nur schlechtredet, kennt die Stadt nicht.
Lassen Sie uns über die Rendsburger Stadtentwicklung sprechen: Wie möchten Sie lokale Unternehmen stärken?
Eine gute Wirtschaftsförderung konzentriert sich nicht nur auf Neuansiedlungen, sondern pflegt vor allem den Bestand. Dazu gehört es allerdings auch, Flächen für Erweiterungen im Portfolio zu haben. Mindestens genauso wichtig ist die Imagepflege. Wir sind ein attraktiver Standort mitten im Land, wir haben herausragende Kulturangebote, wir sind ein Standort, an dem hervorragende Unternehmen und damit Arbeitsplätze zu finden sind, wir haben eine Baukultur, die wir sichern und aufpolieren wollen, wir haben ein Lebensumfeld mit Nord-Ostsee-Kanal, Eider und viel Natur, mehr Bäume als Einwohner, wir sind eine extrem grüne Stadt. Und ich werde überhaupt nicht müde, das immer wieder zu betonen.
Gibt es Maßnahmen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten?
Der Bau-Turbo ist beschlossen und aktiv. In Neuwerk-West haben wir eine gute Entwicklung, insgesamt aber auch an anderen Standorten. In diesem Jahr haben wir sechsmal so viele Wohnungen genehmigt wie noch im Vorjahr. Das zeigt den Aufwärtstrend.
Was tut die Stadtverwaltung, um die Innenstadt zu beleben?
Wir sind mit Eigentümern im Gespräch und müssen dabei oft feststellen, dass die Mietpreisvorstellungen nicht zur Lage oder auch zum Zustand der Immobilien passen. Leerstand ist ein weitverbreitetes Phänomen, das mit den veränderten Kaufgewohnheiten der Menschen zusammenhängt. Insofern setzen wir auf mehr Wohnen in der Innenstadt und auch auf andere Angebote und Nutzungen, die Menschen anziehen. Bei der Rendsburg Tourismus und Marketing ist dieses Thema angesiedelt und hat dort oberste Priorität.
Ein großes Thema, nicht nur in Rendsburg, sind Umwelt und Mobilität: Wie nachhaltig ist Rendsburg aufgestellt? Was tut die Stadt für den Klimaschutz?
Gerade sind wir im Stadtmoor mit einer großen Maßnahme zur Renaturierung gestartet. Aber es passiert noch viel mehr: PV-Anlagen auf kommunalen Gebäuden, Kommunale Wärme-Kälte-Planung und das Energetische Quartierskonzept Hoheluft-Süd … Wichtig ist mir, dass wir Klimaschutz nicht nur im Baubereich mitdenken, sondern in allen Lebensbereichen, also auch zum Beispiel in Kitas und Schulen.
Und wir müssen über die Parkplatzsituation sprechen …
Ja, gern! Das Parkdeck in der Nienstadtstraße ist nicht mehr zu halten und ich habe den endgültigen Abriss mit der Politik vereinbart. Die Parkplatzsituation wird sich insgesamt noch verschärfen, wenn auch das Parkdeck an der Feuerwache abgerissen wird – darauf müssen wir uns leider einstellen. Der Willy-Brandt-Platz wird einige Möglichkeiten bieten, aber wir denken auch über andere Mittel nach, den Parkdruck zu reduzieren.
Hat Rendsburg „ein Problem im Stadtbild“? Wie steht es mit dem Thema Integration und Zuwanderung?
Rendsburg ist eine bunte, vielfältige Stadt. Und dazu stehen wir. Wir sind attraktiv für neue Mitbürger, haben die Angebote, die sie suchen, mit guten Schulen und Kitas, Krankenhaus, Volkshochschule usw. Und wir müssen investieren, um für alle attraktiv zu bleiben. Wir müssen bei unserer Sozialstruktur eine Ausgewogenheit erzielen, die es sowohl den Rendsburgern als auch den neuen Mitbürgern ermöglicht, gut miteinander zu leben.
Was braucht Rendsburg Ihrer Meinung nach am dringendsten – Mut, Geld oder Zusammenhalt?
Ganz eindeutig Geld. Mut und Zusammenhalt haben wir schon. Das sehen wir beispielsweise in der guten Zusammenarbeit mit der Politik, die sich in meiner Amtszeit so entwickelt hat. Wir arbeiten verlässlich und transparent. Und wir ziehen an einem Strang, um die Daseinsvorsorge für die Rendsburger für die nächsten Jahrzehnte auf den Weg zu bringen. Das gilt im Übrigen für das gesamte Ehrenamt, für die Vereine, Verbände, Gilden, Serviceclubs usw. Wir haben starke Strukturen, die für Rendsburg einstehen und so vieles möglich machen.
Was wünschen Sie sich von den Bürger*innen unserer schönen Stadt?
Zuversicht, Optimismus und einen positiven Blick auf unsere schöne Stadt.
Ein Träumchen: Wenn Sie ein besonderes Projekt für Rendsburg realisieren könnten, was wäre das?
In einem Jahr in drei Bereichen „Eröffnung“ feiern: nämlich am Altstädter Markt, am Obereiderhafen und auf den Heitmann‘schen Koppeln.
Gibt es ein Erlebnis, das Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit besonders beeindruckt oder gar geprägt hat?
Oh ja: Das waren die Jugendspiele im Sommer 2024, als wir außerdem unser 825. Stadtjubiläum gefeiert haben. Dieses Zusammenkommen von hunderten Jugendlichen aus ganz Europa hier bei uns war beeindruckend.
Auch wenn es noch ein bisschen hin ist bis zur Bürgermeisterwahl 2028: Denken Sie über eine zweite Amtszeit nach?
Das habe ich schon Anfang des Jahres gegenüber den Kieler Nachrichten erklärt: Hier steht ein klares Ja.
Und eine kleine persönliche Frage: Wie schaffen Sie es, zwischen Amt und Privatleben die Balance zu halten? Wirklich keine Ahnung. Aber es funktioniert – wobei tatsächlich sehr wenig private Zeit bleibt.